Ich habs gewusst. Die Nacht war ein Albtraum. Ich hab kein Auge zugemacht, obwohl die Atmosphäre um mich rum so bezaubern ist. Ohne Medikamente und ohne Stimme beschloss ich trotzdem einen kleine Morgentoilette vorzunehmen. Ich putzte mir die Zähne und wusch mich mit einer Flasche Wasser am Steg vor unserer Hütte. Allein dieses Feeling ist schon ziemlich legendär. Bevor es Frühstück gab, wollten wir wieder Tiere beobachten, bei einer Morgensafari. Deshalb klingelte auch der Wecker so früh :) Außer ein paar kleinen Affen und einem Adler hat sich aber kein Lebewesen in die Nähe des Ufers getraut. Schade. Aber ich bekam eh nicht viel mit, so verpeilt wie mein Gehirn zu dem Zeitpunkt war. Denn ich bekam kaum noch Luft und hatte schon eine ganze Rolle gekautem Klopapier vollgeschneutzt. Zum Frühstück verspeiste ich meine Spiegeleier und ganz viel Honigtoasts. Das wird mich abhärten, denn der Honig wurde inklusive Biene im Glas serviert. Eine Engländerin, die mit uns die Tour machte, hatte zum Glück Paracetamol dabei. Meine Rettung. Ich beschloss mir jetzt eine zu gönnen und später, kurz bevor wie die andere Berg-Trekkingtour starten würden. Zu viel Paracetamol 500 kann auch mein Körper nicht vertragen, obwohl er sowohl an Ökosachen als auch an pure Chemie gewöhnt ist. Die Trekkingtour stellte sich als Härteprobe, vergleichbar mit dem Ironman in meinem Zustand heraus. Ich krakselte also durch den Dschungel und feuchten Regenwald, hoch zu einem Aussichtspunkt. Zwischendurch fragte ich mich echt, wieso mach ich diesen scheiß? Ich bekomme so viel Luft wie ein übergewichtiger Kettenraucher auf Inlinern und klettere trotzdem weiter über glitschige Baumstämme und spitze Felsen. Stefan hat das ganze Drama beobachtet und nahm mir meine Wasserflasche ab, wofür ich echt dankbar war. Ich hatte schließlich genug mit mir selbst zu kämpfen und war froh nichts tragen zu müssen. Irgendwann kam ich dann doch oben an. Von dem was Adam unterwegs erzählte hab ich nur die Hälfte verstanden und die andere Hälfte wieder vergessen. Ich musste mich zzu sehr drauf konzentrieren nicht ganz laut und mit letzter Kraft zu schreien: „Schnell! Ich brauche das Sauerstoffzelt!“ Die Aussicht über das überflutete See-Tal war zwar ziemlich nett, aber ich war eher stolz auf mich, den Berg bezwungen zu haben, wie mir schon wieder den See anzusehen. Die kleine Tina hat es tatsächlich geschafft. Halbtot und auf einem Berg. Das Gefühl ist noch viel besser als jede Aussicht. Und ich habe nun auch eine neue Öko-Therapie. Wenns dir schlecht geht und du die Freck bekommst, geh raus, am besten in den Regen (denn zu allem Überfluss regnete es auch noch, naja Regenwald eben) und quäl dich über deine grenzen hinaus. Danach wird es jedem besser gehen. Ich war danach fast wieder gesund. Es ist unglaublich wozu der Körper in der Lage ist. Ich werde ihn weiter an seine Grenzen treiben. Hab daran mittlerweile Spaß gefunden.
Wir gingen nicht den gleichen Weg zurück zum Boot, das Boot holte uns an einem anderen Camp ab. Dort gab es Reis mit Omelett in ein Butterbrotpapier eingewickelt wie ein Pausenbrot. Ich brauchte auch ganz dringend was zum Essen. Wir unterhielten uns noch etwas mit den andern Mit-Trekkern, die aus England und Kanada kamen und ich freute mich endlich ins richtige Hostel zurück zu kehren und war auch traurig, nicht alleine im Dschungel eine Überlebensprüfung bestehen zu können. Ich bin doch eigentlich Mogli aus dem 21. Jahrhundert.
Im Hostel haben wir dann nochmal den lustigen Checkertyp getroffen und ihn gebeten in Ko Lanta anzurufen, ob mein Ladegerät noch da ist. Erleichterung. Es ist da. Also besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit es wieder zu bekommen.
Da hier am Rande des Dschungels nix lost ist, haben wir vorsichtshalber mal ein paar Filme runtergeladen. Diesmal war Avatar dran. Aber nur ein Teil von drei. Denn dann war ich zu zu müde um meine Augen weiter aufzuhalten und bin eingepennt. Stefan hat dann noch irgendwas rumgekruscht und ich muss im Halbschlaf wieder was lustiges gesagt haben. In etwa so: Der Laptop war schon lange weggepackt und ich reiße den Kopf hoch, blicke Stefan mit glasigen Augen an und sage: „Mach mal bitte noch den Laptop weg.“ Er verstand nur Bahnhof und ich musste mich also wiederholen und sagte: „Ja der Laptop, der steht noch unter meinem Kissen und ist noch an.“ Allein der ganze Satz macht keinen Sinn. Es ist so lustig, was man bzw. was ich manchmal labere wenn ich in der Phase zwischen Wach und Traum bin.
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