Nach einem leckeren Frühstück im selben Restaurant, in dem wir auch gestern zu Abend gegessen hatten (übrigens, da hab ich das erste mal einen flexiblen Thai getroffen. Er hat mir nämlich sogar mein Pad-Thai mit Ananas gemacht, obwohl es nicht auf der Karte stand), haben wir uns im dazugehörigen Reisebüro über die Möglichkeiten informiert wie wir nach Kuala Lumpur kommen konnten. Es gibt entweder ein Minibus für 1300Baht oder ein Bus (200Baht) der nach Surat Thani fährt und man von dort aus den Nachtzug (900Baht) nach KL nehmen muss. Aber der freundliche, flexible Thai, der wegen der Zugverbindung extra wegen uns rumtelefonierte, meinte, dass der Zug am 20. ausgebucht sei. Normalerweise würde ich das einem Thai niemals glauben. Aber die Tatsache, dass er mir ohne groß nachzufragen Ananas ins Pad-Thai reinmachte, veranlasste mich, ihm zu vertrauen. Was hätte er auch davon, schließlich hat er uns einen billigeren Preis für den öffentlichen Zug genannt als für seinen Minibus. Normalerweise bescheißen die Thais immer andersrum. Die sagen: der öffentliche Bus oder Zug kostet Neulftausend Baht und „you my friend get it for Neulfhundert Baht“. Also buchten wir die Fahrt nach KL bei ihm. Sein Reisebüro war auch laut Lonely Planet mit dem TAT-Dings zertifiziert. Was aber ja nix zu heißen hat.
Nach dem Frühstück mussten wir uns sputen, den der Bus in den Dschungel wartete schon. Wir lernten Adam, unser Dschungelguide, kennen, der uns zuerst mal über den Local Market führte. Leider hab ich bis zum Markt kurz die Augen zu gemacht und es war der reine Horror für mich, diesen Markt zu betreten. Der Gestank von frisch oder nicht frisch geschlachteten Hühnern, eingelegten Kakerlaken, gebratenen Bananen, Katzen zwischen Chipstüten und das ewig stinkende Thaifras schlug mir gewaltig auf den Magen und ich machte, dass ich so schnell es ging wieder in den Bus kam. Nach einer weiteren halbstündigen Fahrt kamen wir an dem See an. Dieser See ist schon krass. Die haben den einfach künstlich angelegt. Einfach mal ein Damm gebaut und ein ganzes Gebiet unter Wasser gesetzt. Jetzt ist da eben ein riesiger See. Mit dem Longtailboat gings dann dann zum Camp. Unterwegs sahen wir wieder atemberaubende, riesige Felsen. Allein dafür hat sich die Tour schon gelohnt. Nachdem wir ca. ne Stunde auf dem Wasser unterwegs waren und auch ganz viele Höhlen bestaunt hatten, bogen wir um eine weitere Insel und es kam ein kleines Dorf mitten auf dem See zum Vorschein. Zehn oder ein paar mehr Bambushütten und eine etwas größere Hütte schwammen echt mitten auf dem Wasser. Mir gefiel es direkt und ich wollte auch gleich alles erkunden. Der Steg war aus einzelnen Brettern zusammen genagelt, die wohl früher entweder als Boot dienten oder einfach irgendwo rumlagen. Unsere Hütte hatte zwei große, weiche Matratzen und sogar saubere Bettlaken. Es war also wirklich ein Traum für mich. Nur leider musste man sein Geschäft nicht mitten im Dschungel verrichten, es gab dann doch Toiletten. Wellblechplatten boten einen einigermaßen sicheren Sichtschutz um die Sitztoilette herum. Nachdem ich mein neues Zwei-Tages-Zuhause inspiziert hatte, hüpfte ich auch gleich in den See. Was gibt es schöneres? Eine Hand voll Touris, die mich nicht weiter stören, ein spiegelglatter See einen halben Meter vor der Haustür und ringsum das Gequietscht von Affen oder anderen wilden Tieren. Herrlich. Der Haken bei der Plantcherei, ich kam natürlich nicht wieder allein aus dem Wasser. Stefan musste mich mal wieder raushiefen. So ist das eben wenn man als Dorfkind, bzw hier Stadtkind im Dschungel sitzt. Zum Mittagessen gab es: drei mal dürft ihr raten?! Reis. Mit allem Möglichem, sowas wie süßsauer oder scharf. Mein Gehirn hatte zu diesem Zeitpunkt mal wieder zu viel Input und ich beschloss erstmal ein Nickerchen zu machen. In meiner Hütte auf dem See. Herrlich. Es wackelte wie in einer Bootskajüte. Und ich schlief wie ein Baby. Aber auch mit nasser Badehose... Das sollte ich noch lange bereuen. Nach dem Aufwachen tat mir nämlich schon der Hals weh. Und wie gesagt, ich hatte nix dabei an Medikamenten. Noch nicht mal meine Malariaprophylaxe. Ich weiß, ich bin leichtsinnig und ich weiß auch jetzt warum ich ein kleines Notfallmedikamententäschchen dabei hab. Und zwar immer dabei hab. Denn es erwischt dich genau dann, wenn du nicht damit rechnest. So wie mich eben im Dschungel. Aber egal, ich bin ja nicht aus Zucker und die Indianer und Eingeborenen stellen sich auch nicht so dran, wenn sie mal ein Kratzen im Hals verspüren. Als auf zur Trekkingtour. Mit dem Longtailboot gings zu ner Bucht, wo wir dann durch den Dschungel wanderten. Unser Guide Adam zeigte uns alles mögliche. Von Termitenhaufen bis Tarantellöcher und fliegenden Echsen war alles dabei. So genial der Regenwald. Aber auch ziemlich gefährlich. Denn manche Baumbusbäume haben ganz spitze Stacheln. Wenn man da dran kommt ist man innerhalb von ein paar Minuten kaputt, so wie ich Adam verstanden habe. Wir warteten durch flache und höhere Flussbetten. Natürlich hatte Stefan das Glück gleich 3 Blutekel abzubekommen und ich gar keinen. Hatte auch gern mal so ein Teil gehabt. Schließlich will ich ja wissen wie es sich anfühlt, wenn so eine Mischung aus Wurm und Nacktschnecke dir das Blut aus den Beinen saugt. Adam verschwand auch manchmal. Er gab der Truppe dann ein Zeichen, dass wir uns nicht bewegen sollten oder nicht weiter gehen sollten. Einmal hat er ne Spinne gefangen. Sah eigentlich gar nicht aus wie eine Spinne. Orange war sie, mit lustigen Fühlern als Beine. Meine Kamera mit dem großen Objektiv sollte perfekt geeignet sein, für solch kleine Wesen messerscharf abzulichten. Aber irgendwie wollte sie mal wieder nicht so wie ich das wollte. Roman, reserviere bitte schon mal einen Platz in nem Fotokurs wenn ich wieder heim komme. Die G3 kann einfach zu viel und ich bin zu untalentiert. Irgendwann stoppte Adam wieder und zeigte auf eine Höhle. Da sollten wir wohl rein. Zum Glück hatte ich einen Bikini drunter, den ich auch gleich brauchen würde. Wir zogen uns um, d.h. Einfach nur T-shirt aus, denn die Trekkinghosen waren ja eh schon nass und kletterten dann durch ein kleines Loch in das innere der dunklen Höhle. Es gab insgesamt nur 4 Taschenlampen für 7 Personen. 3 davon konnte man auch gleich auslassen, so hell leuchteten die. Natürlich hatte ich keine dabei. Wieso auch? Ich bin ja ein Surviver und brauch auch keine Malariaprophylaxe. Die Höhle war der Hammer. Manchmal mit viel, manchmal mit wenig Wasser gefüllt. Manchmal mussten wir schwimmen, manchmal klettern. Die Felsen waren glitschig und trotzdem wunderschön. Trotzdem hatte ich schon ein wenig die Hosen voll, denn ich seh ja nix wenns dunkel ist. Und dann auch noch in Wasser zu hüpfen, wo man nicht weiß, was unter einem ist, wenn oben alles voll Felsen ist. Schon unheimlich. Adam hat dann auch noch solche Gruselgeschichten erzählt. Es sind wohl vor 4 Jahren 49 Menschen in der Höhle gestorben. Es war Regenzeit, so wie jetzt auch :) , und es fing ganz plötzlich an zu regnen und nicht nur der Wasserspiegel stieg ganz normal an, sondern auch das Wasser, das von den Bergen hinab fließt strömt in die Höhle. So verreckten die Pechvögel also jämmerlich zwischen Felsbrocken und kaltem Wasser. Zum Glück kam ich da lebend wieder raus. Völlig überwältigt und ziemlich zufrieden mit dem was ich bis jetzt erlebt hatte, wanderten wir wieder zurück zum Longtailboot. Zwischendurch verschwand Adam wieder. War ja nix neues mehr. Er baute für alle Weibchen Kronen aus Farn und für alle Männchen Peter-Pat-Hüte. Sehr schick. Zurück im Camp war ich so kaputt, dass ich erstmal eine Runde schlafen musste, bevor es dann auch Abendessen gab. Einen, wahrscheinlich, selbstgefangenen Fisch, der so lecker und knusprig war, dass ich ihn am liebsten alleine gegessen hätte. Der einmalige, starke Fischgeschmack und dazu die scharfe Thaisoße machten meine Halsschmerzen und meine Schluckbeschwerden gleich wett. Denn Hunger ist eben doch schlimmer als Heimweh. Kurze Zeit später, als es dunkel wurde, bereiteten wir uns zur Nightsafari vor. Naja, es gab ja nix großartiges zum vorbereiten. Ich hatte ja nur ein T-shirt, das nass war und ein Top dabei. Leider keine Jacke oder so. Denn auf dem See wurde es Nachts doch schon ganz schön frisch. Macht aber nix, denn ich habe ein Tapir zu Gesicht bekommen. Die Rüsseltiere sind vom aussterben bedroht und ich Glückspilz hab eins in freier Wildbahn gesehen, wie es am Flussufer seinen Durst stillte. Ansonsten hatten wir leider nicht so viel Glück mit Nachtaktiven Tieren. Außer einer kleinen Eule wollte sich dann kein Tier mehr zeigen. Also nix wie zurück zu den Strohhütten und ab ins Bett, wo ich eh nicht gut schlafen werde, da mittlerweile so viel gelber Süff aus meiner Nase läuft, dass ich definitiv kein Auge zumachen kann...
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