Sonntag, 23. Oktober 2011

Tag 39 - Ankunft im Khao Sok Nationalpark



Nachdem wir mit dem Minibus Khao Sok erreichten, wollten wir zuerst im Art's Hostel einchecken. Das war aber leider schon ausgebucht. Bzw nur noch teure Zimmer waren verfügbar. Schade eigentlich, denn das Hostel lag direkt am Fluß und einige Thaikids sprangen an einer Liane in den Fluß und es sah aus, als hätten die jede Menge Spaß. Mein Spieltrieb war wirklich sehr enttäuscht, dass nix mehr frei war. Ich wäre wirklich gern, wie Tarzan und Jane in den Fluß gehüpft. Der Typ, der das Transporter-Taxi fuhr, hat uns dann aber ein anderes Hostel empfohlen. Man muss dazu sagen, dieser Kerl war der erste Thai, der lustig und checkermäßig rüberkam. Bevor wir zu seinem Hostel fuhren hat er erstmal gegen die Mauer des Art's gepieselt. Krass oder? Unterwegs hat er dann eine Thai auf dem Fahrrad angehalten und irgendwas von „You wanna fuck“ gelabert. Man hat aber direkt gemerkt, dass er ein Witz gemacht hatte. Sau lustig der Kerl. Genau wie der Rest der Familie, denen das Jungle Huts Hostel gehört. Ein gechillter, fetter Thai, der den Pascha spielte und eine Horde von Mädchen in jedem Alter. Man kann Thais ja so schlecht schätzen. Ich denk die waren irgendwas zwischen 12 und 28 Jahren. Unser Bungalow war sauber, mit Toilettenpapier und Seife ausgestattet und es gab warmes Wasser. Das alles zu einem Spottpreis von 200Baht. Ich war also schon gleich begeistert. Und auch das Pad-Thai kostet im hosteleigenen Restaurant nur 60Baht. Denn momentan bin ich voll auf dem Pad-Thai-Trip. Wie ich manchmal in Deutschland Nutellasucht oder Frischkornbreisucht habe, verhafte ich eben seit 5 Tagen nur noch Pad-Thai. Wir haben dann auch gleich eine 2-Tages-Dschungeltour all inclusive gebucht und konnten den Preis sogar noch um 200Baht drücken. Aber nur weil wir die Witze, die der you-wanna-fuck-Thai machte verstanden und mitlachten. Er hat uns auch ganz unauffällig mitgeteilt, dass er nur für uns ein Discount machen könnte. So richtig auf nen Zettel geschrieben: -200Baht und „psssssst“ gezischt. Das war schon ziemlich legendär. Ich hab sehr drauf gehofft, dass wir diesen Typ als Dschungelguide bekommen würden. Hatten wir aber leider nicht. Zurück im Bungalow war ich schon total nervös und wollte alles packen für die Tour. Wir sollten nämlich nur Zahnbürste, ein T-Shirt zum wechseln, Handtuch, Bikini und Kamera mitnehmen. Mein großes Objektiv und Stefans Kamera würden sich herrlich bei der Tour ergänzen dachte ich. Deshalb checkte ich auch nochmal ob beide Akkus auch wirklich aufgeladen waren. Es sollte schließlich nicht so enden wie in Kanchanaburi, wo beide Akkus leer waren. Doch dann kam der Schock, mit dem ich immer noch zu kämpfen habe. Kein Ladegerät und kein Ersatzakku da! Ich habe meinen kompletten Rucksack links gemacht und Stefan seinen. Dabei hatte ich schon einen halben Wutanfall und Stefan musste wohl gedacht haben: Oh Mist, was ist das für ne Psychotante. Aber egal. Hallo? Mein Akku war weg! Ich verliere nie irgendwas. Ich verstecke Sachen nur. Und das so gut, dass ich sie am Ende nicht mehr finde. Aber so viele Möglichkeiten gab es leider nicht, den scheiß Akku im Rucksack zu verstecken. Ich musste also wohl oder übel mein Gehirn anstrengen und überlegen wo ich zum letzten Mal mein Ladegerät benutzt hatte. Dann fiel es mir wieder ein. In dem teuren Luxuszimmer in Ko Lanta gab es leider nur zwei Steckdosen. Eine hab ich für meinen Laptop benutzt und die andere war hinter Stefans Bett. Den Rest kann man sich wohl denken. Da Stefan morgens einfach nicht aus dem Bett kommt und ich unter jeden Umständen ein Frühstück brauche, packte ich also am Abreisetag leise meine Sachen zusammen, schlich mich aus dem Zimmer und bestellte ein überteuertes Eiersandwich. Das kam dann aber so spät, dass ich keine Zeit mehr hatte, das Zimmer noch einmal zu kontrollieren, den unser Bus war schon abfahrtsbereit. Also nahm ich das Sandwich mit in den Bus und hoffte, dass ich alles hatte. Ich war mir auch ziemlich sicher. Aber eben nur ziemlich. So nun hatte ich den Salat. Ich sitze also am Rande des Dschungels, mit nur einem Akku, der auch nur noch halb voll ist, und bin am verzweifeln. Zu allem Überfluss bemerke ich auch noch, dass mein Rucksack gerissen ist. Der Bauchgurt ist hinüber. Das heißt ich muss 17kg allein mit meinen Schultern tragen ohne Hüftstütze. Toll. Und kein Bryophyllum zur Stelle. Kann es noch irgendwie schlimmer kommen? Ja das kann es, aber dazu erst am Tag 40 oder 41. (ich schreib nämlich grad alles rückwirkend) Ich legte mich also kurz aufs Bett, dachte an den Menschen, der meinen letzten Blog kommentiert hat und hörte „chasing cars“ und „how to save a live“ in der Grey's Anatomy Version. Danach kam mir der legendäre Plan. Dominik und Frank, die andern beiden, wollten auch nach Ko Lanta. Also sollen die das Gerät mitnehmen, dann bei Marcus, dem Typ aus Kuala Lumpur, lagern. Und ganz zum Schluss, kurz bevor ich von Singapoure nach Australien fliege, muss ich sowieso ein Stop in Kuala Lumpur einlegen. Dann hol ich den Akku eben wieder ab. Solange muss die Canon eben herhalten. Zurückfahren ging ja auch nicht, denn Stefan muss ja am 20.10. Thailand verlassen, weil da sein Visum abläuft. Und wenns doch nicht klappen sollte, so ein Ladegerät kostet auch nicht die Welt. Aber ich ärgere mich trotzdem. Nicht wegen den 60€ oder wie teuer das Teil auch sein mag, sondern weil ich gegen mich selbst verloren habe. Als ich diesen Satz dachte, musste ich mal wieder an den Menschen denken, der mich zu der Reise inspiriert hatte... Geht es ums gewinnen oder verlieren? Geht es darum, gegen mich selbst zu gewinnen? Wieso will ich mich selbst besiegen. Also: ich dachte so lange über diesen unsinn nach, bis mein Gehirn kapitulierte und ich dankbar war, an der Stelle zu sein wo ich eben war. Nämlich im Dschungel. Zumindest fast im Dschungel. Wollte ich da nicht immer hin? So back to the roots leben. Und genau das hatte ich in den nächsten 2 Tagen vor. Natürlich musste mich Stefan, der typische Europäer auf den Boden der Tatsachen zurückholen und daran erinnern, dass meine Frisur mal wieder nicht perfekt aussah. Das wusste ich aber auch selbst. Denn meine Kotelette :) waren eindeutig zu lang! Also raus mit dem Taschenmesser und ab mit dem Zeug. Ich, als Frisörjunkie, hab ja oft genug zugesehn, wie Haare ausgedünnt werden. Aber ich weiß nicht, ob es ein Frisör hierzulande besser hinbekommen hätte als ich mit meiner Schweizer Taschenmesserschere. Bin wirklich sehr zufrieden mit meinem neuen Haarschnitt. Mit meinen neuen selbst geschnittenen Koteletten. Sogar so zufrieden, dass ich fast den Akku vergaß. Aber leider nur fast...

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